SEKTION Kunstgeschichte

Thema Kunstgeschichte und ...?
Sektionsleitung   Prof. Dr. Melanie Trede (Heidelberg)
Raum und Zeit G 204 | Mittwoch, 29.8.2012 | 11.00–12:30, 14:00–15:30, 16:00–17:30

Kunst und: Buddhismus. Nō und die Rolle der Patronage
11:00-12:30 Dr. Alexander Hofmann (Museum für Asiatische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin): Kunstgeschichte und Performance-Kunst? Zur Praxis des Malens mit Publikum im Japan der Edo-Zeit
Jens Bartel (Columbia University New York): Das Stellschirmpaar Bambus im Regen, Bambus im Wind (1776) von Maruyama Okyo: Patronage, Bedeutung und Wirkungsgeschichte
Jan Becker (Universität Tübingen): Bildrhetorik in der Malerei Hakuin Ekakus (1686–1769)
Discussant: Katharina Epprecht (Rietberg Museum Zürich)

Kunst und: Kunsthandwerk, Kalligrafie und Ästhetik. Politik und Propaganda in internationalen Auseinandersetzungen
14:00-15:30 Evgenia Bogdanova (Universität Heidelberg): Neudefinitionen der japanischen Kalligraphie: Reaktionen auf die Meiji-Restauration und auf den Zweiten Weltkrieg
Andrea Germer (Kyūshū-Universität Fukuoka): Kunst und Politik? Transkulturelle Flows in visueller Propaganda
Discussant: Dinah Zank (Universität Zürich)

Kunst und: Vermitteln, Sammeln und disziplinäre Selbstreflexion
16:00-17:30 Wibke Voss (FU Berlin): Kunstgeschichte, Kunstvermittlung oder (angewandte) Kunst? Funktion und Rezeption der Blockbücher von Ikeda Koson
Thorsten Kerp (Universität Heidelberg): Kunst!museum: Wertigkeiten und Kategorien japanischer Kunst, 1873–1945. Kümmel und die Fischers im (inter-)nationalen Wettbewerb
Jonas Gerlach (Universität Köln): Die Kunst der japanologischen Kunstgeschichte
Leitung der Abschlussdiskussion: Melanie Trede (Universität Heidelberg)

 

CALL FOR PAPER

Die akademische Disziplin der Kunstgeschichte ist seit ihrer Genese im 19. Jh. ein Fach mit interdisziplinärer Ausrichtung gewesen. Wurde sie zunächst als eine Unterkategorie der Ästhetik oder der Geschichte angesehen, so kämpften viele Kunsthistoriker immer wieder für die Autonomie des Faches, indem sie Connoisseurwissen betonten. Seitdem ist die Kunstgeschichte als Fach von vielen anderen Disziplinen angeregt und erweitert worden, im Falle Japans insbesondere durch die Geschichts-, Religions- und Literaturwissenschaften, die Gender Studies und Rezeptionsästhetik. Gleichzeitig hat sich auch der in den 1870er und 80er Jahren herauskristallisierte Begriff für „Kunst” (bijutsu) seit den 1960er Jahren um den Anglizismus âto erweitert, der andere Bereiche der zeitgenössischen Kunst und visuellen populären Kultur umfasst.

In dieser Sektion soll es um zweierlei Probleme gehen:

  1. um einen bewussten Umgang mit den Methoden anderer Disziplinen – nicht nur den bereits genannten: Wie können die unterschiedlichen methodische Ansätze anderer Disziplinen fruchtbar auf ein Objekt oder Bild aus Japan angewendet werden, um so der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes gerecht zu werden und es einem zeitgenössischen Publikum nahezubringen?
  2. um die Frage der Erweiterung des Kunstbegriffs, wie er in den letzten Jahren immer häufiger praktiziert wird. Die seit etwa zwei Jahrzehnten diskutierte „Krise der Kunstgeschichte“ hängt eng mit der Infragestellung des Kunstbegriffes zusammen: ist ein japanischer Holzschnitt „Kunst“ oder ethnologisches Objekt? Wann und wo wird eine Buddhafigur in einem Kunstmuseum, wann in einem Völkerkundemuseum ausgestellt? Sind Briefmarken, Internetdesign oder bildgebende Verfahren in den Naturwissenschaften ebenso Gegenstand kunsthistorischer Betrachtung, wie es die visual studies oder die „Bildwissenschaft“ vorschlagen? Während dieser Methodenstreit in erster Linie im Rahmen der Kunstgeschichte Europas und den verschiedenen Ethnologien u.a.m. ausgetragen wird, scheint der Trend in der akademischen Kunstgeschichte Japans ausserhalb des japanischen geographischen Raums noch nicht adäquat diskutiert worden zu sein. Wie also können nicht als „Kunst“ (bijutsu) definierte Bilder oder Objekte aus Japan mit kunsthistorischen und anderen Methoden analysiert werden?

Themenvorschläge sind willkommen, die sich entweder theoretisch mit den gestellten Problemen auseinandersetzen, oder mit klar identifizierten, unterschiedlichen disziplinären Herangehensweisen ein Bild, Objekt, Architektur oder ein Ensemble aus Japan befragen, oder aber einen im Rahmen der Kunstgeschichte nicht als „Kunst“ definierten Gegenstand überzeugend analysieren. Das Zusammenstellen mehrerer Vorträge zu methodisch, thematisch, oder/und chronologisch kohärenten Themenbereichen wird bevorzugt. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit in der Sektion können grössere Forschungsarbeiten in Vorträgen von 30 Minuten Länge mit 15 Minuten Diskussionszeit vorgestellt werden, laufende Vorhaben in kürzeren Referaten von 20 Minuten Länge mit 10 Minuten Diskussion. Es wird gebeten, möglichst früh Rücksprache zu halten, Themenvorschläge spätestens aber bis zum 31. Juli 2011 zusammen mit einer Zusammenfassung von nicht mehr als einer Seite an die Sektionsleiterin zu senden.


Prof. Dr. Melanie Trede
Universität Heidelberg
Institut für Kunstgeschichte Ostasiens
Seminarstr. 4
69117 Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221 54-3969
Fax: +49 (0)6221 54-3384
E-Mail: trede(at)sino.uni-heidelberg.de