SEKTION Moderne Geschichte

Thema Natur und Umwelt
Sektionsleitung   Prof. Dr. Katja Schmidtpott (Frankfurt)
Raum und Zeit G 217 | Mittwoch, 29.8.2012 | 11:00–12:30, 14:00–15:30
 
11:00-12:30 Judith Fröhlich (Universität Zürich / Oxford University): Das Grosse Kantō-Erdbeben von 1923 und das Ende des alten Russlands in Japan
Frank Käser (FU Berlin): Die deutsch-japanischen Beziehungen und das grosse Kantō-Erdbeben von 1923
Jan Schmidt (Universität Bochum): Die Diskussion um die Lehren der Bewältigung der Kriegsschäden im Europa der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg für die Bewältigung des grossen Kantō-Erdbebens 1923
 
14:00-15:30 Hans Martin Krämer (Universität Bochum): Gesetzlicher Tierschutz in Japan, 1880–2005. Ein Beitrag zur Sozialgeschichte des menschlichen Umgangs mit der Natur in Japan
Erich Pauer (Universität Marburg): Die Verflüssigung der Kohle zwischen 1920 und 1945 – Eine (gescheiterte) technische Strategie zur Überwindung der Knappheit an Erdöl-Ressourcen

 

CALL FOR PAPER

Das Grosse Beben in Ostjapan (2011) hat die Frage nach den Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur in Japan wieder in den Fokus gerückt. Obgleich aus sozial- bzw. politikwissenschaftlicher Perspektive bereits vielfach behandelt, sind Beiträge zur Historisierung dieses Verhältnisses vom Beginn der Industrialisierung bis zur jüngsten Vergangenheit der 1970er/80er Jahre in der deutschsprachigen Japanforschung bislang selten. Im Mittelpunkt der Sektion sollen die folgenden Problemkomplexe stehen, Vorschläge zu anderen Aspekten der japanischen Umweltgeschichte sind jedoch ebenfalls willkommen.

  1. Ressourcennutzung: Die Entstehung der modernen japanischen Industriegesellschaft beschleunigte den Verbrauch natürlicher Ressourcen. Vor allem für die Zeit der frühen Industrialisierung wäre etwa zu fragen, wie die Erschliessung und Ausbeutung von Ressourcen (z.B. Holz, Wasser, Kohle) im Spannungsfeld zwischen staatlichem Zugriff, privatwirtschaftlichen Interessen und den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung verlief, welche Konflikte um Ressourcen auftraten und wie sie gelöst wurden. Während Rohstoffe, die für die industrielle Produktion zentrale Bedeutung besassen wie etwa der Energieträge Steinkohle, Erze und Mineralien zu Beginn der Industrialisierung noch in ausreichender Menge in Japan selbst gewonnen wurden, wurde die japanische Ressourcenpolitik nach dem Ersten Weltkrieg von der Vorstellung des „rohstoffarmen Landes“ geprägt, die bis heute dominant ist. Hier liesse sich z.B. die Entstehung dieser Vorstellung, ihre Verbreitung und politische Instrumentalisierung bis in die jüngste Vergangenheit hinein untersuchen.
  2. Umgang mit Naturgefahren und -katastrophen: Naturgefahren wie Erdbeben, Tsunami und Taifune sind in Japan bekanntermassen allgegenwärtig, Naturkatastrophen keine Seltenheit. Der Umgang mit diesen Gefahren und Katastrophen ist jedoch dem historischen Wandel unterworfen. Hier wäre etwa nach dem Wandel von Bewältigungsstrategien und Schutzmassnahmen zu fragen, wobei insbesondere das Zusammenspiel von zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren berücksichtigt werden könnte. Auch die Frage nach der nationalstaatlichen Bedeutung kollektiver Katastrophenbewältigung scheint interessant, einhergehend mit einer Untersuchung des Wandels der medialen Repräsentation von Katastrophen sowie der Frage, warum einige Katastrophen in das kollektive Gedächtnis eingingen, andere dagegen nicht. Untersucht werden könnte auch die Frage nach der Auswirkung sozialer Ungleichheit auf die individuelle Betroffenheit durch Naturkatastrophen. Schliesslich könnte auch untersucht werden, wie sich das Auftreten opferreicher Naturkatastrophen auf den Glauben an den technischen Fortschritt und die Beherrschbarkeit der Natur auswirkte.

Angesichts der Vielfalt aktueller Forschungen zur modernen japanischen Geschichte sind Beiträge zu anderen Themen ebenfalls willkommen. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit in der Sektion können grössere Forschungsarbeiten in Vorträgen von 30 Minuten Länge mit 15 Minuten Diskussionszeit vorgestellt werden, laufende Vorhaben in kürzeren Referaten von 20 Minuten Länge mit 10 Minuten Diskussion. Es wird gebeten, möglichst früh Rücksprache zu halten, Themenvorschläge spätestens aber bis zum 31. Juli 2011 zusammen mit einer Zusammenfassung von nicht mehr als einer Seite an die Sektionsleiterin zu senden.


Prof. Dr. Katja Schmidtpott
Philipps-Universität Marburg
Biegenstr. 9
35032 Marburg
Tel.: +49 (0)6421 282-4953
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