SEKTION Philosophie und Geistesgeschichte

Thema Grenzen des Mensch(lich)en
Sektionsleitung   Prof. Dr. Raji C. Steineck (Zürich)
Raum und Zeit F 121 | Mittwoch, 29.8.2012 | 11:00–12:30, 14:00–15:30, 16:00–17:30
 
11:00-12:30 Franz Emde (Yamaguchi Universität): Wahrnehmung – Illusion – Selbsterfahrung: Menschliche Grenzsituationen in Sosekis Der Bergmann
 
14:00-15:30 Julian Plenefisch (FU Berlin): Grenzen Denken: Nationales und topographisches Bewusstsein im frühmodernen Japan
Elena Louisa Lange (Universität Zürich): Die Grenze des Menschlichen in der politischen Ökonomie: zur Marxschen Wertformanalyse bei Kuruma Samezō 久留間鮫造 (1893–1982) und Uno Kōzō 宇野弘蔵 (1897-1977)
 
16:00-17:30 Reinold Ophüls-Kashima (Sophia-Universität Tōkyō): kyōsei 共生 - „Symbiose“ oder "Convivality" als gesellschaftspolitischer Begriff im Japan der Gegenwart
Fabian Schäfer (Universität Zürich): Mensch – Maschine – Tier: Subjektivität, Gemeinschaft und politische Öffentlichkeit im Zeitalter digitaler Medien

 

CALL FOR PAPER

Das Faktum der Grenze gehört zum Menschsein wie die Unsicherheit über deren Ort. Menschen verstehen und erhalten sich selbst, indem sie sich als Individuen, als Kollektiv und als Gattung abgrenzen, aber wo die Grenzen zu liegen kommen, steht nicht von vorneherein fest. Sie werden dabei nicht nur gesetzt, sondern auch erfahren. Das Negativum, an die Grenze zu stossen, motiviert häufig den Impuls, sie zu verschieben. Die Verschiebung bedeutet aber nicht, dass Begrenztheit als solche überwunden wird, auch wenn das manchmal der Traum sein mag, aus dem das Bemühen seine Kräfte zieht. Schliesslich werden die faktischen wie ideellen Grenzen häufig ignoriert, oder durch Sprünge in ein Jenseits übergangen.

Die Spannbreite möglicher Themen beginnt mit der Anknüpfung an aktuelle technikethische Probleme – wie dem Umgang mit den Risiken der Atomkraft – oder der Theorie neuerer Versuche, die faktischen Grenzen menschlichen Lebens und menschlicher Fähigkeiten auszuweiten (Gentechnik, Mensch-Maschine-Symbiosen, Enhancement). Sie schliesst auch Diskussionen ein wie jene über die räumliche Grenze des menschlichen Leibes, die in der Nachkriegsphilosophie geführt wurde, um bestimmte Vorstellungen über Individualität und Sozialität zu fundieren. Sie reicht aber auch in die nähere und fernere Vergangenheit, mit der Frage nach dem Selbstverständnis des Menschen im Verhältnis zu seiner sozialen Umgebung, den Grenzen zwischen den Menschen, und der Abgrenzung der Menschen von anderen Lebewesen. Weiterhin wären Untersuchungen zu älteren Techniken der Verschiebung menschlicher Grenzen, sei es durch Selbstkultivierung, aber auch durch Magie, einschlägig. Stets sollte aber das Thema der Grenze des Mensch(lich)en im Zentrum der Referate stehen. Beiträge, die über die Bestandsaufnahme hinaus ihren Gegenstand in einen grösseren theoretischen Zusammenhang einbetten, sind besonders willkommen. 

Eingeladen sind Vorträge, die sich mit den Grenzen des Mensch(lich)en beschäftigen, wie sie in japanischen Quellen vom Altertum bis heute formuliert, bearbeitet oder reflektiert wurden. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit in der Sektion können grössere Forschungsarbeiten in Vorträgen von 30 Minuten Länge mit 15 Minuten Diskussionszeit vorgestellt werden, laufende Vorhaben und Gelegenheitsarbeiten in kürzeren Referaten von 20 Minuten Länge mit 10 Minuten Diskussion. Es wird gebeten, möglichst früh Rücksprache zu halten, Themenvorschläge spätestens aber bis zum 31. Juli 2011 zusammen mit einer Zusammenfassung von nicht mehr als einer Seite an den Sektionsleiter zu senden.


Prof. Dr. Raji C. Steineck
Universität Zürich
Ostasiatisches Seminar
Zürichbergstrasse 4
8032 Zürich
Schweiz
Tel.: +41 (0)44 634-4085
Fax: +41 (0)44 634-4921
E-Mail: steineck(at)oas.uzh.ch