SEKTION Politik

Thema Politischer Wandel in Japan seit 2009
Sektionsleitung   Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott (FU Berlin)
Raum und Zeit F 118 | Mittwoch, 29.8.2012 | 09:00–10:30, 11:00–12:30, 14:00–15:30
 
09:00-10:30 Verena Blechinger-Talcott (FU Berlin): Einführung in das Sektionsthema: Aufbruch, Reformen und Krisen: Politischer Wandel in Japan seit 2009
Alexandra Sakaki (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) und Kerstin Lukner (Universität Duisburg-Essen): Das Fukushima-Krisenmanagement der Demokratischen Partei Japans in der Kritik: Ergebnis politischer Unerfahrenheit oder institutioneller Defizite?
 
11:00-12:30 Momoyo Hüstebeck (Universität Halle): Japanische Kommunen im Wandel: Reformerfolge und -hemmnisse einer Ausweitung der Gemeindeautonomie und Bürgerteilhabe
Phoebe Holdgrün (Universität Hamburg): Neue Impulse für das Politikfeld gender equality in Japan? Optionen für politischen Wandel bei der Implementierung des Basic Law for a Gender-equal Society seit dem Regierungswechsel 2009
 
14:00-15:30 Kai Schulze (Freie Universität Berlin): Kontinuität im Wandel oder neuer Umbruch? Die Veränderungen der japanischen Sicherheitspolitik gegenüber China
Lorenz Pagenkopf (FU Berlin): Japans sicherheitspolitischer Wandel vor dem Hintergrund des „War on Terror“
Gabriele Vogt (Universität Hamburg): Okinawa und die Aussen- und Sicherheitspolitik der Hatoyama-Administration

 

CALL FOR PAPER

Die Themenwahl in dieser Sektion Politik ist in enger Abstimmung mit den Sektionen Gesellschaft und Ethnologie erfolgt. Nach dem Ende des „verlorenen Jahrzehnts“ im Jahre 2003 erlebte Japan zwar einen kurzen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch selbst in dieser Zeit kamen Gesellschaft und Politik nicht zur Ruhe. Der öffentliche Diskurs war weiterhin durch Debatten zum strukturellen Wandel sowie zu Differenzierungsprozessen in verschiedenen sozialen Dimensionen (z.B. Genderrollen, Familienstrukturen, soziale Ungleichheit, ethnische Minderheiten, demographische Alterung und niedrige Geburtenrate, zivilgesellschaftliche Partizipation etc.) geprägt. Auch das politische System war gerade nach dem Abtreten von Premierminister Koizumi verstärkt durch Diskontinuitäten und schnelle Regierungswechsel gekennzeichnet. Innenpolitisch entzündete sich die Debatte an Fragen von Reformbedarf und -stau, ebenso lässt sich eine Verstärkung neo-nationalistischer Tendenzen feststellen.

Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkten sich diese Tendenzen weiter. Mit dem Machtwechsel von der LDP zur DPJ im Jahr 2009 erfolgte ein Paukenschlag, welcher das politische System in Japan in seinen Grundfesten erschütterte, ging es der DPJ doch um nicht weniger als eine Abkehr vom bislang vorherrschenden Modell von Japan als einer durch das wirtschaftliche Wachstumsprojekt der Eliten geprägten Gesellschaft. Das neue Regierungsprogramm zielt auf eine Hinwendung zu „sozialdemokratischen“ Themen wie einer Neuausrichtung der Sozialpolitik zugunsten benachteiligter Gruppen und auf eine Neugestaltung der Staatsausgaben ab. Auch aussenpolitisch soll Japan dem zentralen Partner USA „auf Augenhöhe“ begegnen, was unter Premierminister Hatoyama im Hinblick auf die Stationierung amerikanischer Truppen auf Okinawa für Spannungen sorgte. Auch wenn sich einige der Reformziele der DPJ bereits zerschlugen, befindet sich die japanische Politik sowohl institutionell als auch in Bezug auf zentrale Politikfelder nach wie vor in einem Prozess des Umbruchs, der in der Sektion thematisiert und diskutiert werden soll.

Erbeten werden Themenvorschläge zu Vorträgen zu allen Aspekten und Dimensionen des politischen Wandels in Japan in den letzten Jahren. Besonders willkommen sind Beiträge, in welchen dieser Wandel auch in seiner Wechselwirkung mit den Veränderungen im Bereich der Gesellschaft diskutiert wird. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit in der Sektion können grössere Forschungsarbeiten in Vorträgen von 30 Minuten Länge mit 15 Minuten Diskussionszeit vorgestellt werden, laufende Vorhaben in kürzeren Referaten von 20 Minuten Länge mit 10 Minuten Diskussion. Es wird gebeten, möglichst früh Rücksprache zu halten, Themenvorschläge spätestens aber bis zum 31. Juli 2011 zusammen mit einer Zusammenfassung von nicht mehr als einer Seite an die Sektionsleiterin zu senden.


Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott
Freie Universität Berlin
Ostasiatisches Seminar – Japanologie
Ehrenbergstr. 26-28
14195 Berlin
Tel: +49 (0)30 838-57104
Fax: +49 (0)30 838-57114
E-Mail: vblechin(at)zedat.fu-berlin.de