SEKTION Religion

Thema Bedeutungen von „Schutz” in den japanischen Religionen
Sektionsleitung   Dr. Katja Triplett (Marburg)
Raum und Zeit
G 204 | Dienstag, 28.8.2012 | 14:00–15:30, 16:00–17:30
G 204 | Mittwoch, 29.8.2012 | 09:00–10:30

Dienstag, 28.8.2012
14:00-15:30 Katja Triplett (Universität Marburg): Einführung in das Thema der Sektion Religion
Bernhard Scheid (Universität Wien): Wer schützt wen? Hachimanismus, Buddhismus und Tennoismus im Altertum
Michaela Mross (Komazawa-Universität Tōkyō): Die Arhats als „Beschützer“ im Zen-Buddhismus
 
16:00-17:30 Daniel Schley (Universität München): Zu den religiösen Aspekten tugendhafter Politik (tokusei) zum Schutz von Herrscher und Volk. Ein Versuch zur politisch-religiösen Vorstellungswelt des 13. Jahrhunderts
Johannes Wilhelm (Universität Wien): Anbasama – Geographische Dimension und inhaltlicher Wandel einer Schutzgottheit
Christian Göhlert (Universität München): Anzan kigan – Die Bitte um sichere Geburt im Wandel der Zeit

Mittwoch, 29.8.2012
09:00-10:30 Michael Wachutka (Dōshisha-Universität Kyōto / Universität Tübingen): Massnahmen zum Schutz des „geistigen Eigentums“: Das Nihon seishinbunka mandara als Sinnbild japanischer Kulturtradition
Niels Gülberg (Waseda-Universität Tōkyō): Schutz durch magische Formeln
Abschlussdiskussion, geleitet von Dr. Katja Triplett (Universität Marburg)

 

CALL FOR PAPERS

Bitten, die im Rahmen religiöser Rituale geäussert werden, haben häufig den Schutz der eigenen Familie vor Gefahren zum Inhalt. Amulette (o-mamori), die wörtlich ihre Träger „schützen“ sollen, erfreuen sich grosser Beliebtheit auch im heutigen Japan und sind für viele religiöse Einrichtungen von beachtlicher wirtschaftlicher Bedeutung. Die traditionell ausnehmend wichtigen Zeremonien für die rituelle Versorgung der Ahnen haben ebenfalls die Funktion, vor den schädlichen Einflüssen der verstorbenen Ahnen zu schützen, indem die Ahnen durch die Zeremonien besänftigt werden. Das aktive Streben nach einem glücklichen Lebensverlauf schliesst selbstverständlich den Schutz vor Gefahren in Form auch anderer schädlicher Einflüsse mit ein. So müssen neben den unbesänftigten Geistern Verstorbener auch „Dämonen“ und unheilbringende Gottheiten vertrieben werden, die Schaden wie Krankheit bringen könnten.

Hier wäre zu untersuchen, welche Rolle dieser, wissenschaftlich eher wenig betrachteten, apotropäischen Praxis in Japan in den verschiedenen Traditionen und neuen Gruppierungen spielt, wobei auch diskutiert werden soll, ob eine Zuordnung dieser Art von religiösen Praxis in eine „volksreligiöse“ im Unterschied zu einer „orthodoxen“ Tradition zulässig oder sinnvoll ist. Schutz kann sich aber auch auf den rechtlichen Rahmen beziehen: So kann in Beiträgen der Sektion beleuchtet werden, wie sich religiöse Institutionen oder Individuen gegen Zugriffe seitens des Staates oder anderer religiöser Gruppierungen verwahren. Anderseits reicht der Schutz von Personen durch die säkulare Gesetzgebung auch in den Rechtsrahmen der religiösen Körperschaft hinein.

Schutz als Bewahrung kann sich auch auf das Engagement religiöser Gruppierungen für die Umwelt und Naturgebiete wie das Meer und die Wälder oder für bestimmte Tierartenbeziehen, die sie aus zu untersuchenden ethisch-religiösen Gründen hüten und beschirmen möchten. Andere Themen, die in der Sektion Religion bearbeitet werden können, sind die Entwicklung von rituellen Praktiken zum Schutz des Staates und der Gesundheit der kaiserlichen Familie, gerade in der Frühzeit des Buddhismus in Japan. Religionsgeschichtlich bedeutend sind beispielsweise auch die rituellen Schutzmassnahmen vor der drohenden Invasion der Mongolen im 13. Jh. durch verschiedene religiöse Gruppierungen, die unterschiedliche Praktiken zum Schutz der Nation durchgeführt hatten und dann jeweils auf die offizielle Zuschreibung des Erfolgs drängten.

Je nach zeitlicher Verfügbarkeit in der Sektion können grössere Forschungsarbeiten in Vorträgen von 30 Minuten Länge mit 15 Minuten Diskussionszeit vorgestellt werden, laufende Vorhaben in kürzeren Referaten von 20 Minuten Länge mit 10 Minuten Diskussion. Es wird gebeten, möglichst früh Rücksprache zu halten, Themenvorschläge spätestens aber bis zum 31. Juli 2011 zusammen mit einer Zusammenfassung von nicht mehr als einer Seite an den Sektionsleiter zu senden.


Dr. Katja Triplett
Universität Marburg
Institut für Vergleichende Kulturforschung
Fachgebiet Religionswissenschaft
Landgraf-Philipp-Str. 4
35032 Marburg
Tel.: +49 (0)6421 30-46836
E-Mail: triplett(at)uni-marburg.de