SEKTION Soziologie

Thema Gesellschaft im Umbruch
Sektionsleitung   Prof. Dr. David Chiavacci (Zürich)
Raum und Zeit F 118 | Dienstag, 28.8.2012 | 14:00–15:30, 16:00–17:30
 
14:00–15:30 Barbara G. Holthus (DIJ Tōkyō) und Tanaka Hiromi (DIJ Tōkyō): Elterliches Wohlbefinden in Japan
Wolfram Manzenreiter (Universität Wien): Die Neue Welt sieht langsam alt aus: Diasporische Gemeinden im Wandel
 
16:00–17:30 Susanne Brucksch (FU Berlin): Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft: Ein alternatives Instrument umweltpolitischer Governance
Julia Obinger (Universität Zürich): Jenseits der Prekarität: Formen des Alter-Aktivismus in Japan

 

CALL FOR PAPER

Die Themenwahl in dieser Sektion ist in enger Abstimmung mit den Sektionen Politik und Ethnologie erfolgt. Nach dem Ende des „verlorenen Jahrzehnts“ im Jahre 2003 kehrte die japanische Wirtschaft zwar für einige Jahre auf einen steten Expansionskurs zurück. Doch selbst in diesen Jahren kam die japanische Gesellschaft und Politik nicht zur Ruhe. Der öffentliche Diskurs war weiterhin durch Debatten zum strukturellen Wandel und Differenzierungsprozessen und ihrer Folgen in verschiedenen sozialen Dimensionen (Genderrollen und Familienstrukturen, soziale Ungleichheit und atypische Beschäftigung, alternative Lebensstile und ethnische Minderheiten, demographische Alterung und tiefe Geburtenrate, Nationalismus und zivilgesellschaftliche Partizipation etc.) geprägt. Auch das politische System war gerade nach dem Abtreten von Koizumi erneut verstärkt durch Diskontinuitäten und schnelle Regierungswechsel gekennzeichnet. Im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise und dem damit verbundenen ökonomischen Abschwung verstärkten sich diese Tendenzen noch weiter. Mit dem Machtwechsel von der LDP zur DPJ erfolgte ein Paukenschlag, welcher das politische System in Japan in seinen Grundfesten erschütterte.

Auch gesellschaftlich zeigten sich weitere tiefe Risse im Nachkriegsmodell von Japan als einer homogenen Mittelschichtgesellschaft mit strikt getrennten Genderrollen, der Dominanz von internen Arbeitsmärkten und einer generellen Beteiligung der Bevölkerung über Kaufkraftzunahme und soziale Aufwärtsmobilität am wirtschaftlichen Wachstumsprojekt der Eliten. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, welche neuen Formen von sozialer Teilhabe, Sozialstrukturen und individuellen Lebenslaufentwürfen langfristig das Nachkriegsmodell ablösen könnten.

Erbeten werden Themenvorschläge zu Vorträgen zu allen Aspekten und Dimensionen des sozialen Wandels in Japan in den letzten Jahren. Besonders willkommen sind Beiträge, in welchen dieser Wandel auch in seiner Wechselwirkung mit den Veränderungen und dem Machtwechsel im politischen System diskutiert wird. Je nach zeitlicher Verfügbarkeit in der Sektion können größere Forschungsarbeiten in Vorträgen von 30 Minuten Länge mit 15 Minuten Diskussionszeit vorgestellt werden, laufende Vorhaben in kürzeren Referaten von 20 Minuten Länge mit 10 Minuten Diskussion. Es wird gebeten, möglichst früh Rücksprache zu halten, Themenvorschläge spätestens aber bis zum 31. Juli 2011 zusammen mit einer Zusammenfassung von nicht mehr als einer Seite an den Sektionsleiter zu senden.


Prof. Dr. David Chiavacci
Universität Zürich
Ostasiatisches Seminar
Zürichbergstrasse 4
8032 Zürich
Schweiz
Tel.: +41 (0)44 634-4084
Fax: +41 (0)44 634-4921
E-Mail: david.chiavacci(at)uzh.ch